Yellowstone: Immer der Nase nach ...

Yellowstone: Immer der Nase nach ...

Faszination Yellowstone – Im ältesten Nationalpark der Welt mischt sich eine grandiose Tier- und Pflanzenwelt mit geologischen Phänomenen

In der Erde brodelt es. Es zischt, pfeift und faucht allerorts. Dampfwolken steigen aus großen Erdlöchern gen Himmel. Nicht nur für Augen und Ohren ist das ein Naturschauspiel, das seinesgleichen sucht, auch unsere Nasen kommen häufig in den „Genuss“ manch seltsam riechender Gase, die die Löcher aus dem Erdinneren nach oben spucken. Es sind enorme Kräfte, die dort in der Tiefe wirken und alles scheint auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden zu sein. Man selbst, lediglich ein Besucher im Yellowstone – Amerikas ältesten, größten und wahrscheinlich beeindruckendsten Nationalpark – fühlt sich auf einmal klein und unbedeutend. Wohl an keinem anderen Ort der Welt wird einem bewusst, wie stark die Erde unter den eigenen Füßen lebt, welch ungeahnte Kräfte in ihr stecken. Drei Tage verbringen wir auf diesem traumhaft schönen Fleckchen Erde, das etwa die Hälfte der Fläche Thüringens einnimmt.

Der „Löwenanteil“ der Parkfläche entfällt auf den heutigen US-Staat Wyoming.

Nur drei Prozent liegen im Bundesstaat Montana, ein Prozent in Idaho. Lange blieb das Gebiet unentdeckt, das Überwinden der Rocky Mountains stellte eine zu große Barriere dar. Erst 1871 glückte dem Geologen Ferdinand von Hayden eine zweijährige Forschungsreise in das bergige Gebiet. Die Eindrücke und Bilder, die er mitbrachte, beeindruckten den damaligen Präsidenten Ulysses S. Grant in Washington so sehr, dass er am 1. März 1872 den ersten Nationalpark der Welt gründete.

Heute besuchen jährlich mehr als vier Millionen Touristen den Park.

Auf etwa 9000 Quadratkilometer erstreckt sich der Supervulkan. Heiße Quellen, farbenprächtige Wasserbecken, stinkige Schlammlöcher und wasserspuckende Geysire – nirgendwo anders auf der Welt gibt es eine solch große Ballung geologischer Phänomene. Wer alles sehen und erkunden will, braucht einen guten Plan, ein gutes Zeitmanagement und sollte immer seiner Nase folgen. Denn wo es dampft und „stinkt“, gibt es meistens auch etwas Spektakuläres zu sehen.

10.000 Quellen gibt es im Yellowstone

Mehr als 10.000 geothermische Quellen gibt es im Yellowstone, vor allem im Upper Geyser Basin und Norris Geyser Basin reiht sich ein Highlight ans andere. Die „Felder“ sind gezeichnet von vulkanischen Aktivitäten. Sie leuchten und schimmern in den buntesten Farben und sind durchzogen von dampfenden Kesseln. Wir sind erstaunt, wie nah man an die spuckenden Schlammtöpfe und Geysire herankommt. Zahlreiche Stege führen direkt durch die Felder hindurch.

Old Faithful

Absolut empfehlenswert und wohl auch der berühmteste Geysir ist der „Old Faithful“. Früher konnte man nach ihm die Uhr stellen, heute spuckt er seine Wasserfontäne mit einer relativen Regelmäßigkeit alle 60 bis 90 Minuten aus. Hunderte von Menschen versammeln sich zu den genannten Zeiten um ihn herum und staunen um die Wette, sobald sich aus dem zunächst unscheinbaren Felsloch eine Wasserfontäne von bis zu 50 Metern Höhe formt. Tipp: Geduld zahlt sich aus, denn jeder Geysir kann jederzeit ausbrechen. Und so wird man mit etwas Glück auf einmal Zeuge eines seltenen Ausbruchs.

Schnell werden wir auf unserer Reise Zeuge einer weiteren Besonderheit des Parks: der vielfältigen Tierwelt.

Weite Felder und Wälder, durchzogen von Flüssen und Seen, sind Orte, an denen sich Grizzlys, Schwarzbären, Wölfe, Bisonherden und vor allem Elche und Wapitihirsche wohlfühlen. Ihnen nicht über den Weg zu laufen, ist quasi unmöglich. Besonders aktiv sind die Tiere des Parks in den frühen Morgen- und Abendstunden. Unbedingt Fernglas mitnehmen, aber immer Abstand halten! So können wir Bären bei ihrem wohlverdienten Schlaf am See beobachten und kommen einem Gesellen sehr nah, der an der Straße nach Wurzeln und Gräsern gräbt.

In Mammoth Hot Springs, im Norden des Parks, kommt man dem ein oder anderen Tier ebenfalls sehr nah:

Im Herbst sind dort Wapitihirsche auf der Hut. Es ist Paarungszeit. Hunderte Hirschkühe haben sich auf den Grünflächen des Ortes zwischen den Häusern und Touristen versammelt, immer mit Adlersaugen vom Platzhirsch bewacht. Ein falscher Schritt oder eine hektische Bewegung und schnell kann man die Aufmerksamkeit des Männchens auf sich ziehen. Wenn der Hirsch einmal ein Auto ins Auge gefasst hat, hilft nur noch Gas geben. Zur Absicherung sind im Ort überall Ranger im Einsatz, die solch brenzlige Situationen mit viel Erfahrung regeln.

Wer noch nicht genug hat, der kann sich überall im Park an der beeindruckenden Natur pur erfreuen.

Mit Wanderschuhen ausgerüstet lassen sich die vielen Wege zu beeindruckenden Gesteinsformationen und Wasserfällen am besten erkunden. Sie stürzen sich bis zu 100 Meter tief in den Abgrund. Übrigens: Woher der Name des Parks kommt, zeigt sich vor allem im Yellowstone-Canyon. Hier hat sich der gleichnamige Fluss besonders tief in den Sandstein gegraben – und eine gigantische Schlucht erschaffen, die wunderschön in Gelb- und Orangetönen leuchtet.

Autorin + Fotografin: Frauke Wagner