Das Leben ein Stück schöner machen

Das Leben ein Stück schöner machen

Die Galerie „Kunstraum“ in Jena bietet zahlreiche Werke berühmter Künstler zum Verkauf an.
Ab 8. September sind in einer Verkaufsausstellung die Bilder des Pop Art-Künstlers James Rizzi zu sehen.

Kunst ist dazu da, um gesehen zu werden. Das weiß auch die Jenaer Galeristin Marina Zollmann, die aus diesem Grund letztes Jahr vor etwa zwei Jahren neue Räumlichkeiten bezog. Weg aus dem Jenaer Damenviertel eröffnete sie ihre Galerie „Kunstraum“ an exponierter Stelle in der Schillerstraße 1 neu. Wer nach einem Einkaufsbummel in der „Goethegalerie“ an der Fußgängerampel steht, kennt diese Adresse nur allzu gut, scheint doch von den zahlreichen Bildern auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Glanz auszustrahlen, der den Blick sofort in den Bann zieht.

Hier befinden sich auf 65 Quadratmetern Ausstellungs- und Verkaufsfläche Originale u. a. berühmter Grafiker, Maler und Bildhauer, die, auch neben Thüringer oder Künstler der berühmten Leipziger Malschule, so klangvolle Namen tragen wie Marc Chagall, Keith Haring, Janosch, Roy Lichtenstein, Pablo Picasso oder Andy Warhol.

Doch auch Werke von Prominenten, die bisher eher bekannt sind durch ihre musikalischen oder schauspielerischen Qualitäten, sind unter den Exponaten zu finden: Udo Lindenberg, Armin Mueller-Stahl, Otto Waalkes, Helge Schneider oder Frank Zander. Besonders stolz ist Marina Zollmann jedoch auf eine Verbindung nach Osten, genauer gesagt ins Gebiet des russischen Irkutsk. Durch eine Reise vom Jenaer Arzt Dr. Alexander Winkler nach St. Petersburg kam ein Kontakt mit dem russischen Maler Alexej Tretjakow zustande, in weitverzweigter Verwandtschaft Nachfahre des gleichnamigen Kunstmäzens, nachdem bis heute die Tretjakow-Galerie in Moskau benannt ist. „Daraus ist über viele Jahre nicht nur ein reger Austausch zwischen ihm, Dr. Winkler und mir, sondern auch eine Freundschaft entstanden. Alexej besucht etwa zweimal jährlich Jena, fotografiert charakteristische Punkte der Stadt und malt anhand dieser Vorlage später in seinem Atelier in Leipzig-Lindenau die expressionistisch anmutenden Stadtansichten, oft auch im Kundenauftrag. Diese sind in der Region sehr gefragt, weil sie trotz aller Verfremdung stets das Vertraute der Saalestadt erkennen lässt“, so die 59-jährige Galeristin. Auch die Bilder von Armin Mueller-Stahl, der im Osten Deutschlands nach wie vor beliebt sei, und von Kinderbuchschreiber und -illustrator Janosch werden häufig gekauft. Letztere besonders als romantisches Geschenk für den Partner oder die Partnerin. „Liebe ist die zentrale Botschaft in Janoschs charakteristischen Bildern – auch häufig in Textform festgehalten“, so Marina Zollmann.

Sie selbst hat ihre Liebe zur Kunst schon früh gepackt

. Geboren im Harz begann sie bereits früh, leidenschaftlich Grafik zu sammeln. Ihr Wunsch, Kunst zu studieren, ging jedoch damals nicht in Erfüllung: Der Studienplatz blieb ihr aufgrund enger familiärer Kontakte in den Westen verwehrt. Zuletzt arbeitete sie als Regiebetriebsleiterin für Kommunale Kindertagesstätten in Jena. Ihren großen Traum, Künstlerin zu werden, wollte sie jedoch nicht aufgeben und so besuchte sie eine Weile die künstlerische Abendschule unter Einhard Hopfe. Am Ende stand zwar für die Geschäftsfrau die Einsicht, dass aus ihr vermutlich keine Künstlerin mehr wird – aber ihr Blick für das Schöne und ein guter Kunstgeschmack waren bei ihr nun ausgeprägt. Als autorisierte Udo Lindenberg- und James Rizzi-Galerie wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Ihre Galerie läuft nicht nur durch einen florierenden Online-Shop, sondern auch durch ihr „gutes Händchen“ bei der Zusammenstellung des Sortiments gut. „Bei mir in der Galerie sind einige Epochen und Stile vertreten. Schließlich kaufen die Leute meist nur etwas, was ihnen gefällt und was sie sich ins Wohnzimmer hängen möchten.“

Doch es gibt auch die Kunden, die Kunst bei den derzeit mitunter steigenden Preisen am Markt als Wertanlage betrachten und Marina Zollmann um ihren Rat fragen, ob sich die Anschaffung von Werken bestimmter Künstler lohne.

Hier lässt sie sich jedoch nicht von der Euphorie der bekannten Auktionshäuser auf einem überhitzten Markt mitreißen. „Ich kann Ihnen sagen, dass sich der Verkaufspreis eines Originals z. B. von Udo Lindenberg in den letzten fünf Jahren beinahe verdoppelt hat. Aber das ist nur eine Momentaufnahme und hat auch mit der Popularität von Udo zu tun. Wichtig ist meiner Meinung nach vor allem, dass Kunst in erster Linie gefällt – und als Investition fürs eigene Wohlfühlen angesehen werden kann.“

Ab 8. September (Vernissage um 19 Uhr mit Laudatio von Dr. Cornelie Becker-Lamers aus Weimar) wird es in der Galerie „Kunstraum“ übrigens buchstäblich noch etwas bunter zugehen als sonst.

Marina Zollmann lagert mangels Platz ihre bisherige Auslage ein – und hängt insgesamt 120 bis 140 Werke des inzwischen leider verstorbenen amerikanischen Pop Art-Künstlers James Rizzi auf, der in seinen Werken urbane Lebensfreude und Optimismus auszudrücken vermag. Auch rare signierte Originale werden unter den Werken sein, die sie im Rahmen einer Verkaufsausstellung bis Ende Oktober in dieser Form erstmals nach Thüringen holen konnten. Eine Gelegenheit mehr, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie Kunst das Leben um etwas Schönes bereichern kann.

Autor + Fotograf: Lutz Granert